Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

2019.06.23 SeenLandMarkt. Gottesdienst mit der Schäferwagenkirche

Schäferwagenkirche
Eine von drei Schäferwagenkirchen

Predigt für die Schäferwagenkirche am Seenlandmarkt

am 23. Juni um 10.30 Uhr

mit dem Posaunenchor Kalbensteinberg

Herr segne Du jetzt unser Reden und unser Hören durch deinen Heiligen Geist.

Amen.

Liebe Besucher des Gottesdienstes,

sehr geehrte Damen und Herren,

wenn Sie nichts zu lachen haben in Ihrem Leben, möchte ich Ihnen heute etwas zum Lachen geben. Sie meinen Glauben und Lachen passt nicht zusammen? Was meinen Sie, hat Jesus gelacht? Die meisten von uns sind ja auf Jesus getauft, da darf man sich ja wohl noch Gedanken machen, ob Jesus nur traurig und ernst war oder auch eine Frohnatur. Am Ende fragen wir uns auch, hat Gott Humor? Nun ich denke erst einmal an unsere Gesundheit und meine Arztfreundin, die heute auch hier ist, sagt, wer gerne lacht bleibt länger jung. Und ich sage immer, ja ein fröhlicher Glaube ist ansteckend so wie das Lachen. Aber in guter Weise ansteckend. Und ich möchte die Frage so beantworten. Ich glaube, dass Jesus gelacht hat, denn bei Jesus stoßen wir auf die Quelle einer Freude, die vom Himmel auf die Erde kommt und diese Freude macht uns zu fröhlichen Menschen, die gerne und oft lachen. Anlässe dafür gehen nicht aus. Ich gehe sogar so weit, dass ich sage, diese Freude bewirkt Segen, der seine Kreise zieht. Nachhaltig. Und bei unserem Reformator der evangelischen Kirche, bei Martin Luther, lese ich:

Gott will dass wir fröhlich seien und hasst die Traurigkeit. Wenn er

nämlich wollte, dass wir traurig seien, würde er uns nicht die Sonne, den

Mond und die anderen Früchte der Erde schenken, die er alle uns zur

Freude gibt.

Deswegen haben Sie vielleicht schon gemerkt, dass ich heute Lieder aus unserem evangelischen Gesangbuch ausgesucht habe, wo es um die Freude und die Fröhlichkeit geht. Ich glaube Jesus hat gelacht und man müsste seine berühmte Bergpredigt, wo jeder Satz beginnt mit „Selig sind, die …“, ergänzen in dem man sagt: „Selig sind die Lachenden, denn sie werden das Reich Gottes erben und seine Herrlichkeit“.

Ich bin der Überzeugung, Glaube und Freude gehören zusammen. Allein wenn ich die schönen Psalmen im Alten Testament anschaue.

Da heißt es im Psalm 73, 28

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine

Zuversicht setze auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.

Oder da heißt es im Psalm 126, 3

Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich

Oder im Psalm 65, 9

Du machst fröhlich was da lebt, im Osten wie im Westen.

Sie sehen, das galt damals auch schon für die DDR.

Oder denken Sie einmal an die Weihnachtsgeschichte, da steht Jesus unter einem guten Stern, wenn es bei der Geburt Jesus heißt: Die Engel jubelten und sagten

„Siehe, ich verkündige Euch große Freude, die allem Volk wiederfahren

wird, denn euch ist heute der Heiland geboren“.

Ist doch toll, die Engel proklamieren nicht irgendeine neue Religion und kein Weltverbesserungsprogramm, sondern sie rufen große Freude aus, die sich in dem einen Namen bündelt, nämlich Jesus Christus.

Und kaum ist der erwachsene Jesus mit seinen Jüngern unterwegs, so erzählt er den Menschen von Gottes Liebe. Er spricht von der großen Freude, die im Himmel ausbricht, wenn ein Mensch nur sich wieder zu Gott bekehrt, wenn er umkehrt von seinen falschen und bösen Wegen. Da wüsste ich heute schon ein paar aus der Weltpolitik.

Das Reich Gottes jedenfalls, zu dem Jesus unablässig einlädt, ist ein Reich der Freude. Wenn man die Bibel aufmerksam liest, dann merkt man, dass die Bibel und die Weisheit, die darin vorkommt, auch schon eine ganze Menge Humor hat.

In den Sprüchen Salomos zum Beispiel (27, 15) heißt es doch:

Eine zänkische Frau oder ein triefendes Dach. Wenn es sehr regnet,

lassen sich die beiden miteinander vergleichen.

Oder Sprüche Salomo (15,17):

Besser ein Gericht Kraut mit Liebe, als ein gemästeter Ochse mit Hass.

Aber auch im Neuen Testament gibt es einen frommen Humor, wenn Jesus zu den selbstgefälligen Reichen sagt:

Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein

Reicher in den Himmel komme. (Lk. 18, 25)

Oder er mit einem Augenzwinkern sagt (Lk. 6, 41):

Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken in

deinem Auge nimmst du nicht war.

Ja, liebe Schwestern und Brüder, Witz und Weisheit, Humor und Glaube, sind eigentlich eine geniale Kombination. Selig sind die Lachenden, können wir ergänzen. Und ich denke es gibt in unserem Alltag viel Humor. Wenn wir einem Menschen mit Humor begegnen schauen wir ihm eigentlich ins Herz. Wir erleben doch im Humor sein Innerstes. Es kann manchmal schlagfertig oder gütig sich äußern. Ich erzähle Ihnen da aus dem Gemeindeleben mal ein Beispiel.

Der Pfarrer ging zum Geburtstag einer frommen Frau, die 80 Jahre alt wurde. Der Kaffeetisch war festlich gedeckt. Es prangte in der Mitte als Zierde eine prächtige Torte. Nach dem Tischgebet nahm der Pfarrer einen kräftigen Schluck Kaffee und verschluckte sich. Obendrein musste er auch noch niesen. Völlig unerwartet und heftig. Dabei kam mehr aus Mund und Nase als üblich. Alles ergoss sich prustend über die schöne Torte. Oh, wie war das dem Pfarrer peinlich. Er wurde rot wie eine Tomate und schämte sich in Grund und Boden. Was sollte er nun tun? Alle Tischgäste starrten zum Geburtstagskind. Wie würde es wohl reagieren? Die alte Dame sagte nur: Herr Pfarrer, das hätten Sie ja gleich sagen sollen, dass sie die Torte alleine essen wollen.

Ja liebe Gäste, Lachen können ist auch eine Gnade und gemeinsam mit anderen lachen kann auch Nächstenliebe sein. Und es gibt ja auch genug komische Situationen in unserem Leben. Gerade wenn Ungeschicktes aufeinander prallt, wird lachen ausgelöst.

Weil unsere Arztfreundin, Chirurgin aus Schwabach, heute da ist, erzähle ich zwei aus dem Bereich der Ärzte.

Der Patient kommt ins Krankenhaus um sich operieren zu lassen. Das ist meine erste Operation, ich habe solche Angst, offenbart er dem jungen Arzt. Zum Glück geht es mir ebenso, gibt der Arzt zurück, es wird auch meine erste Operation sein.

Lustige Dinge, die tatsächlich passiert sind, nennt man Anekdoten. Von dem großen Arzt und Chirurgen, Dr. Sauerbruch, wird folgende Anekdote überliefert. Sauerbruch konnte auch im Privatleben nur schwer vergessen, dass er Mediziner war. Als er einmal schlecht gelaunt wegen einer Autopanne in einem kleinen Landgasthof einkehrte, trat die Kellnerin an seinen Tisch und begann aufzuzählen. Also ich habe: Eine zarte Kalbsbrust, Hühnerleber, saure Nieren. Hier unterbrach sie Sauerbruch barsch: Gute Frau, ich will nicht wissen, was Ihnen fehlt, ich will etwas zu essen haben.

Ja, Lachen ist gesund. Lachen ist etwas für Körper, Seele und Geist. Lachen ist die beste Medizin. Und Sie werden sich wundern, auch im Alten Testament lacht Gott. In Psalm 37, 13 heißt es: Gott lacht über die Gottlosen, die ihn unterschätzen und ihn bereits abgeschrieben haben.

Sehr hintergründig und Nachdenkens wert. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und das könnte Gott sein. Manch einer wird feststellen, er hat auf das verkehrte Pferd gesetzt in seinem Leben. Er hat den Glauben verachtet. Das Vertrauen zu Gott und Jesus Christ. Und hat sich damit den ganz großen Bereich, der Freude und der Fröhlichkeit und des Glücks nehmen lassen oder verpasst. Es gibt viele Anlässe in der Gemeinde, wo es lustige und komische Situationen gibt. So wie die nächsten Geschichten.

Eine Gemeinde feiert Gottesdienst. Die Predigt zieht sich langatmig hin, wie Kaugummi. Da tönt es aus der letzten Reche „Lauter“. Nach dem dritten Zwischenruf dieser Art, dreht sich ein Zuhörer um und fragt: Können Sie den Pfarrer nicht verstehen? Nein, antwortete er. Dann danken Sie Gott und verhalten Sie sich ruhig.

Das war jetzt aber nicht ein Beispiel aus meiner Gemeinde. Meine Predigten sind so, dass mein Kirchenvorstand sagt: Ich darf über alles predigen, nur nicht über 10 Minuten.

Ein Beispiel noch aus der Gemeinde. Wie immer sitzt die Oma, nennen wir sie Müller oder Wißmüller, das fühlt sich hier jetzt niemand angesprochen. Wie immer sitzt die Oma Wißmüller am Sonntagmorgen in der Kirche. Oma singt von Herzen gerne und kennt alle Choräle. Sie hängt förmlich an den Lippen des jungen Pfarrers. In der St. Marienkirchen, jetzt auch ganz wahllos der Name der Gemeinde, und die Oma Wißmüller denkt sich: „Ach wie rührend ist doch die biblische Geschichte, die der Pfarrer von der Kanzel erzählt, von dem Josef, der von seinen bösen Brüdern zurück gelassen wurde und als die Oma vorsichtig ein Taschentuch aus ihrer Handtasche zieht um die Tränen abzuwischen, fällt ein Gebiss auf den Boden. Ein junger Mann flüstert der Oma zu: Ihr Gebiss liegt auf dem Fußboden. Oma Wißmüller flüstert zurück: Das sind Opas Zähne, die nehme ich immer mit, wenn ich zur Kirche gehe, sonst bleibt vom Sonntagsbraten nichts übrig.

Auch aus der Seelsorge von uns Pfarrern gibt es natürlich lustige Situationen. Wo man durch den Humor tief in die Seele des Menschen blicken kann, wie in der folgenden Begebenheit. Eine Dame kommt zum Pfarrer und bittet ihn: Gestern ist mein Hund gestorben, können sie ihn morgen beerdigen. Der Pfarrer kann sich kaum das Lachen verkneifen: Ich beerdige doch keinen Hund. Darauf die Frau: Dann muss ich eben mit meinen 500,00 Euro zum katholischen Pfarrer gehen. Das macht den Pfarrer munter: Warum haben sie nicht gleich gesagt, dass ihr Hund evangelisch war?

Ich habe selbst einmal als Pfarrer und Kurseelsorger von Bad Griesbach einen lustigen Einfall gehabt. Nach einem langen Seelsorgegespräch ein ganz kurzer Gedanke oder Wortspiel, was wir einfiel, was ich auch auf ein großes Blatt geschrieben und vor meine Beichtsakristei gehängt habe. Dort stand drauf: Kommen Sie zur Beichte, Sie werden es nicht bereuen. Pfr. Martin Geisler. Die Kurgäste haben es mit Humor genommen und festgestellt, dass auch wir Evangelischen eine Einzelbeichte haben.

Wie der Humor manchen Blick in die Seele eines Pfarrers wirft und was in ihm vorgeht, zeigt die nächste Geschichte. Bei einem Gottesdienst an Pfingsten verabschiedete der Pfarrer seine Gemeindeglieder an der Kirchentüre, was ich auch sehr gerne tue. Eine Frau sagte zu ihm: Jetzt kann ich wieder laufen. Das elektrisierte den Pfarrer dermaßen, dass er begeistert in den Kirchenraum hineinruft: Was sind wir doch für eine gesegnete Gemeinde. Wieder ein Wunder bei uns. Eine Frau kann wieder laufen. Halleluja. Doch die Frau am Ausgang entgegnet dem Pfarrer kühl: Von wegen Wunder, sie haben zu lange gepredigt, deshalb habe ich den Bus verpasst. Jetzt kann ich wieder laufen.

Und jetzt entlarvt der fromme Humor noch einmal ein Jubelpaar. Beide stehen vor dem 60. Geburtstag und wollen gemeinsam feiern. Dabei überkommt die Frau ein Wunsch, den Sie zu einem Gebet macht. Und sie betet: Lieber Gott, ich habe mich viele Jahrzehnte nicht geschont. Um meinen Mann und meine Familie habe ich mich gekümmert. Darüber hinaus habe ich mich in der Kirchengemeinde eingesetzt. Zu einer Urlaubsreise hat es nicht gereicht. Nun wünsche ich mir zum Geburtstag eine Weltreise. Endlich einmal ausspannen, einmal sich verwöhnen lassen und die schönsten Städte der Welt sehen, das wäre prima. Tatsächlich, Gott hat umgehend das Gebet der Jubilarin gehört. Augenblicklich, wie von Geisterhand gesteuert, liegen alle Unterlagen, wie Flug- und Kreuzfahrttickets vor ihr. Die Frau ist selig und strahlt über das ganze Gesicht. Da wird ihr Mann neidisch. Auch er bringt bei Gott einen Wunsch an und betet: Lieber Gott, ich hätte gerne eine 30 Jahre jüngere Frau. Kaum zu glauben. Aber auch dieses Gebet wird augenblicklich von Gott erhört. Ab sofort ist der Mann 90 Jahre alt.

Ja, ein Pfarrer fragte einmal: Wie kann man Gott zum Lachen bringen? Er fügt gleich die Antwort hinzu: Indem man ihm erzählt, was man morgen unternehmen wird. Tja, wer das tut und dabei den Vorbehalt unterschlägt, wie es im Jakobusbrief im Neuen Testament heißt

(4, 15):

Wenn der Herr will, werden wir leben oder dies und das tun.

Ja, wenn der Herr will. Er ist der Herr über die Zeit. Wir sind nicht Gott, sondern kleine Menschen, heißt es schon in dem Prediger Salomos. Wir überblicken unseren weiteren Lebensweg nicht. Dies zu wissen macht uns bescheiden und demütig.

„Meine Zeit steht in deinen Händen“,

heißt es in dem Psalm 31, 16. Wie oft wird Gott wohl über uns lachen?

So heißt es im Psalm 2, 4:

Wenn wir uns überschätzen und so wichtig nehmen, als wären wir Gott

und könnten selber schalten und walten wie er.

Liebe Gemeinde, zum Schluss möchte ich das Wort von dem Pfarrer Kurt Hainbuchner Ihnen mitgeben zum Thema Freude, Humor und Lachen unter allen Umständen. Er sagt:

Ich freue mich an diesem Leben,

ein jeder Tag, der mir gegeben,

ist ein Geschenk aus Gottes Hand.

Ich bin vergnügt auf meinen Wegen,

weil ich umstellt von seinem Segen,

dies habe ich immer neu erkannt.

Das verleihe Gott uns allen. Noch einen fröhlichen Sonntag.

Amen

 

Predigt: Pfarrer Martin Geisler, Kalbensteinberg

Muisk:    Posaunenchor Kalbensteinberg, Leitung Manfred Maurer

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

2019.06.23  Schäferwagenkirche, SeenLandMarkt

Pfarrer Martin Geisler gemeinsam mit Chorleiter Manfred Maurer.

Fotos: Horst Kuhn

Schäferwagenkirche, Kalbensteinberg 2019.06.25 Schäferwagenkirche, Kalbensteinberg

2019.06.25 Schäferwagenkirche, SeenLandMarkt, Kalbensteinberg

 

drucken nach oben