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Wort zum Himmelfahrtstag 2020

Wort zum Himmelfahrtstag

Himmelfahrt - der Gedenktag an einen Abschied oder mehr?

 

„Abschied, um immer und überall da zu sein!" So könnte man das Geschehen des Gedenktages „Christi Himmelfahrt" beschreiben. Vierzig Tage nach seiner Auferstehung verabschiedet sich Jesus Christus aus dem Kreis seiner Jünger. Waren sie deswegen traurig? Nein! „Sie beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude ..." So berichtet uns der Evangelist Lukas. Zum einen hatten sie eine Verheißung, mit der sie in Zukunft leben konnten und zum andern hatten sie einen Auftrag und beides haben wir auch noch. „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!" hatte Jesus Christus vor seinem Abschied, der eigentlich gar keiner war, gesagt.

Im Nicaenischen Glaubensbekenntnis bekennt die Christenheit, dass „Jesus Christus, wahrhaftiger Gott" ist und auch „wahrhaftiger Menschen". Diese zweite Aussage bedeutet, daß er seit den Worten des Engels Gabriel an Maria an Zeit und Raum gebunden war, wie jeder Mensch auf dieser Erde. Seit seiner Himmelfahrt ist Jesus Christus aber nur noch „wahrer Gott" und die Grenzen von Zeit und Raum sind für ihn aufgehoben. Er ist immer und überall in unsrer Nähe, ist immer bei uns, wie er es bei seiner Himmelfahrt verheißen hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt!"

Himmelfahrt

 

In diesen Tagen, in der wir durch die Kontaktbeschränkung an bestimmte Orte gebunden sind, wird uns erst richtig klar, was Nähe bedeutet. Wir können nur eingeschränkt zusammen kommen, Abstände müssen zum gegenseitigen Schutz eingehalten werden, auch wenn das manche nicht hinnehmen wollen und sich dagegen auflehnen. Nur gut, daß wir bei aller Trennung noch über das Telefon miteinander sprechen können. Vielen wird jetzt erst richtig klar, was Nähe bedeutet und wie wichtig Nähe ist.

 

Aus diesem Grund hat Jesus Christus diese Worte an seine Jünger und in der Folgezeit an alle, die ihm angehören, gesprochen: „Ich bin bei euch alles Tage bis an das Ende der Welt!" Er ist uns nahe in seinem Wort und in den heiligen Sakramenten. Wir können zu ihm sprechen im Gebet. Jesus Christus war während seiner Erdezeit immer nur da bei den Menschen, wo er sich gerade aufhielt und das war für manche ein Problem, wenn er nicht da war, wo man sich seine Gegenwart besonders wünschte. „Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben!" spricht zuerst Martha und dann Maria fast vorwurfsvoll zu Jesus, als er erst mit Verspätung nach dem Tod ihres Bruder Lazarus bei ihnen eintrifft, obwohl sie schon Tage vorher ihn gebeten hatten, zu kommen. Zu spät? Nein! Mit seiner göttlichen Vollmacht weckt er Lazarus wieder auf von den Toten. Die Zeit ist jetzt nicht mehr die Ursache für die Ferne oder Nähe Jesu.

 

Nähe ist nicht nur körperlich, zeitlich und räumlich. Seit der Himmelfahrt ist zwar die körperliche Nähe zu Jesus aufgehoben, aber auch die zeitlich und räumlich gibt es nicht mehr. „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!" hat Jesus verheißen und er hat auch gesagt, daß er wieder sichtbar bei seiner Gemeinde sein wird nach einer bestimmten Zeitspanne der körperlichen Trennung, wie es in einem Lied heißt: „ ... du bist uns zwar im Geiste nah, doch sollst du sichtbar kommen; da willst uns du bei dir auch Ruh, bei dir auch Freude geben, bei dir ein herrlich Leben" (EG 152, 3;)

 

Die Jünger gehen nach der Himmelfahrt Jesu zurück nach Jerusalem mit großer Freude, mit einer Verheißung und mit einem Auftrag: „Geht hin in alle Welt und lehrt alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe!" Die Jünger nehmen diesen Auftrag an und bleiben nicht stehen und treten in die Fußstapfen Jesu. Auf vielen Himmelfahrtsbildern in unsren Kirchen sind diese Fußstapfen zu sehen, die Jesus bei seiner Himmelfahrt auf dem Berg hinterlässt. Dieser Auftrag ist eine ‚Dauerauftrag' und muß erfüllt werden, bis Jesus Christus wieder kommt. Wenn er spricht: „Ja, ich komme bald!" dann ist das eine sehr dehnbare Aussage. Was bedeutet „bald" für jemanden, der nicht mehr an die Zeit gebunden ist. Von Bedeutung ist diese Zusage aber für die die auf seine Wiederkunft warten und deshalb ist es wichtig, dass seine Gemeinde in der Zeit des Warten treu und sorgfältig seinen Auftrag erfüllt und gläubig spricht: „Amen, komm Herr Jesus!"

 

Der Himmelfahrtstag ist nicht nur eine Gedenktag an ein Ereignis in der Vergangenheit, sondern der Beginn einer neuen Zeit, nämlich der zweiten Adventszeit, der Wartezeit auf die Wiederkunft Jesu.

Die erste Adventszeit endete mit der Ankunft Jesu in unsre Welt, als er in Bethlehem geboren wurde. Die zweite Adventszeit endet mit seiner Wiederkunft am Jüngsten Tag, wie er es während seiner Erdenzeit selbst verheißen hat. Eine Wolke nahm Jesus weg vor den Augen der kleinen Schar der Jünger. Und wie wird seine Wiederkunft sein? „Siehe, er kommt mit den Wolken und es werden ihn sehen alle Augen!" So steht's in der Offenbarung des Johannes.

 

GÜNTER L. NIEKEL

 

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